Olivier, Du hast 2009 in Südafrika erstmals an einem Langdistanz-Triathlon teilgenommen, kannst du dich noch an deinen ersten Ironman erinnern?
Aber natürlich, es war ein hartes Rennen, besonders der Marathon. Ich habe vom ersten bis zum letzten Kilometer gelitten, aber ich war glücklich es durchgezogen zu haben.
Nun machst Du bereits seit 1990 Triathlon hast dich über die Kurz- und Mitteldistanz langsam an den Ironman heran getastet. Mittlerweile stehen aber immer öfter Einsteiger am Start eines Ironman, die ohne oder mit wenig Erfahrung schnell die große Herausforderung einer Langdistanz suchen. Was hältst Du von dieser Entwicklung, ist das sinnvoll?
Als ich mich auf die olympischen Spiele konzentriert habe, war es schwierig für einen Ironman zu trainieren. Ich habe einige Xterra als Training zwischen den Weltcups gemacht. Für einen Ironman braucht man ein komplett anderes Training als für den Weltcup und beides zusammen geht nicht. Nach Peking wußte ich, dass das Thema ITU Weltcup und Olympia für mich erledigt war, und ich habe begonnen für die längeren Distanzen zu trainieren und 2009 meinen ersten Ironman gemacht.
Etwas Erfahrung und eine längere Vorbereitungszeit haben sicher Vorteile, schon wegen der Gesundheit. Was kannst Du einem Einsteiger hinsichtlich der Planung und des Trainings empfehlen?
Ich denke, dass es natürlich besser ist einen Ironman ohne viel Training oder einer besonderen Vorbereitung zu machen, als zehn Zigaretten am Tag zu rauchen und Alkohol zu trinken … da empfehle ich eher Spaß bei einem langen Triathlon zu haben und es zu genießen. Das ist auf jeden Fall gesünder, egal welches Ergebnis am Ende dabei rauskommt.
Was bedeutet das für den Trainingsalltag. Wo sollte ein Breitensportler seinen Schwerpunkt setzen, um seine erste Langdistanz erfolgreich zu finishen?
Da gibt es kein Geheimrezept, so lange man Spaß hat und es gerne macht, wird man auch besser. Ich denke, dass zu viele Regeln und zu viele Gewohnheiten nur langweilen und dich umbringen. Es ist gut zu fragen und zu reden, aber ebenso muss man seine eigenen guten und schlechten Erfahrungen machen.
Die Intensität des Trainings auf eine Langdistanz wird viel diskutiert. Soll denn ein Rookie eher ruhiger und längere Grundlagen trainieren oder gerade gegen Ende der Vorbereitung auch kürzere und dafür intensivere Einheiten in sein Training einplanen?
Ich denke, so lange man jung ist, sollte man eher schneller trainieren. Nach 10-15 Jahren Training nimmt die Motivation ab und es fällt immer schwerer schnelle Einheiten zu machen.
Der Auftakt eines Triathlons ist im Wasser. Schwimmen ist technisch die Anspruchsvollste der drei Disziplinen und stellt für die meisten Athleten die größte Herausforderung dar. Wie wichtig ist es gleich von Beginn an die richtige Technik zu lernen und wieviel Zeit sollte man in das Schwimmtraining investieren?
Natürlich, je früher man zu schwimmen beginnt, um so besser ist es natürlich … Über 20 ist fast schon zu spat, um noch ein gutter Schwimmer zu werden. Man kann sich durchaus noch verbessern, aber unter 17 Minuten auf 1500 Meter.
Radfahren ist sicherlich die zeitintensivste aber auch beliebteste Disziplin. Sind viele Kilometer entscheidend und wie sieht ein gutes Radtraining aus?
Radfahren ist hingegen wesentlich einfacher und es ist natürlich richtig, dass man sich schnell verbessern kann, wenn man viele Kilometer in den Beinen hat und im Rennen fitter vom Rad steigt. Ebenso wichtig ist es aber auch sich an Bergen abzuarbeiten, um die Geschwindigkeit variieren zu können, nicht eben nur lange und ruhige Einheiten zu absolvieren.
“ Jeder kann Laufen“, heißt es oft. Und doch bekommen die Meisten große Probleme auf den 42,2 km und verlieren viel Zeit. Was gilt es gerade für die letzte Disziplin zu beachten?
Irgendwann leidet in diesem harten Rennen jeder, vom Ersten bis zum Letzten fällt es niemandem während des gesamten Rennens ausschliesslich leicht. Du bist somit nicht allein und Schmerzen kommen und gehen. Wenn es also weh tut, dann sei geduldig und mach dir nicht zu viele schlechte Gedanken.
Viele, gerade Einsteiger denken, dass es hilfreich sei, in der Vorbereitung schon einmal einen Marathon gelaufen zu sein, bevor man an einer Langdistanz teilnimmt. Das sei gut für den Kopf. Von Profis hört man das eher selten. Was hältst Du davon und wird die psychologische Wirkung?
Da kann ich keinen Rat geben, ich gehe meist nach meinem Bauchgefühl. Wenn einer unbedingt vorab einen Marathon braucht, dann soll er eben einen machen.
Ein Vorbereitungsrennen, gerade wegen des Trainingseffekts ist durchaus zu empfehlen. Was bietet sich als Vorbereitung an und welche Regenerationszeit sollte man einplanen?
Es ist auf jeden Fall sinnvoll rechtzeitig eine Halb- oder Kurzdistanz als härtere Trainingseinheit vor einem Ironmanzu machen. Drei Wochen Erhohlungszeit nach einer Halbdistanz sollte man schon einplanen, nach einem kurzen Triathlon reichen meist zwei.
Über die Wichtigkeit der Ernährung während einer Langdistanz über 10-12 Stunden machen sich viel Einsteiger selten oder erst spät Gedanken. Was isst und trinkt man am besten, um seine Leistung aufrecht zu erhalten, und sollte man das üben?
Ich nehme ausschliesslich Gels und keinerlei feste Nahrung zu mir. Wenn man aber um den Sieg mitläuft, dann ist das nicht das Selbe, als wenn man nur das Ziel erreichen möchte. Dann ist es besser sich Zeit zu nehmen, etwas Druck auf dem Rad herauszunehmen und ordentlich zu Essen. Natürlich is(s)t jeder anders und es ist auch eine Frage des Geschmacks. Man sollte allerdings keinesfalls ausschließlich Zucker essen, denn nach einigen Stunden führt das unweigerlich zu Magenproblemen.
Triathlon war immer schon von Innovationen und Material geprägt. In den Wechselzonen stehen teure Zeitfahrmaschinen, unabhängig vom sportlichen Niveau ihrer Besitzer, egal ob Rookie oder Profi. Was für einen Tipp kannst Du bezüglich der richtigen Materialwahl geben?
Eine richtig gute Zeitfahrmaschine ist natürlich ein Vorteil, aber auch nur eine Komponente von vielen. Wenn man sich das leisten kann, darf man sich glücklich schätzen, aber nicht jeder wird ein 8.000 Euro-Bike kaufen kaufen können. Ich war immer mit dem zufrieden, was ich hatte, denn wenn man stets dem besten Material hinterherläuft, dann ist das einerseits Zeitverschwendung und oft auch eine Grund für Ausreden, wenn’s mal nicht so läuft.
Der Wechsel wird gerne als die vierte Disziplin bezeichnet. Kann man das üben und welche typischen Anfängerfehler sollte man vermeiden?
Bei einer Kurzdistanz ist es das auf jeden Fall, bei einem Ironman allerdings nicht. Als ich meine ersten Ironmans gemacht habe, bin ich immer durch die Wechselzone gehetzt und habe mein Essen oder etwas anzuziehen vergessen. An eine Langdistanz muss man entspannter herangehen.
Ist es denn sinnvoll sich als Rookie für den ersten Ironman eine Zeitvorgabe zu setzen, oder Hauptsache erst einmal finishen?
Erst einmal sollte ein Rookie das Rennen genießen und sich absolut glücklich schätzen, in der Lage zu sein, an einem Ironman teilnehmen. Es ist eher besser seine Reserven zu schonen und so etwas “frischer” das Ziel zu erreichen, um beim nächsten Mal mit mehr Erfahrung richtig anzugreifen.
Welche Ziele hast du nach dem Xterra Maui und in der nächsten Saison?
Auf Maui möchte ich gerne wieder unter die Top-Ten und ansonsten habe vorerst keine großen Ziele mehr. Ich genieße meine Wettkämpfe und nehme sie, wie sie kommen, das ist mir am wichtigsten …
Viel Erfolg bei der Xterra WM und viele genußvolle Rennen und Podiumsplätze in Zukunft.
Herzlichen Dank und alles Gute
Anm. d. Red.:
Olivier Marceau belegte bei der Weltmeisterschaft im Crosstriathlon, dem Xterra Maui am 23. Oktober 2011, den 6. Platz.
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