Am Anfang war das Wasser
Schwimmen steht, wie fast immer, zu Beginn eines jeden Triathlons auf dem Programm. Aber das Wie, war seit Wochen ein heiß diskutiertes Thema unter den Athleten und Veranstaltern. Und „heiß“ ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen. Denn das ungewöhnlich heiße Wetter seit Anfang Juni hatten die Wassertemperaturen aller Badeseen schlagartig ansteigen lassen und dafür gesorgt, das bereits die ersten Wettkämpfe der Saison, ob Ingolstadt oder sogar Bad Tölz, ohne Neoprenanzug geschwommen wurden. Der Grenzwert liegt bei 22° C.
In Karlsfeld hat man sich nun die Mühe gemacht, nein, nicht den See zu kühlen, die aktuellen Wassertemperaturen täglich auf der Homepage zu veröffentlichen. Eine tolle Idee, denn so konnte man langsam beobachten, wie auch der Karlsfelder See stetig wärmer wurde und so kam es, wie es kommen musste. Am Tag vor dem Wettkampf sprang der Wert um 0,9 ° C über die zulässige Temperatur.
Für mich ideal und das bereits einen Tag zuvor zu wissen liess mich beruhigt einschlafen. Schliesslich kommt das guten Schwimmern entgegen und man konnte sich rechtzeitig darauf einstellen.
Tropfen auf den heissen Stein
Denkste. Alle guten Ideen umsonst, alle Hoffnung dahin, aber immerhin, ich habe gut geschlafen. Bereits nach Ankunft in Karlsfeld machten Gerüchte die Runde es werde doch mit Neopren geschwommen. Um acht Uhr, Wettkampfbesprechung, dann die Gewissheit. Über Nacht hatte der See plötzlich 1,6° C verloren. Tja, wo sind die bloss hin. Und keiner hat sie gesucht oder gefunden.
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Damit kein falscher Eindruck entsteht, ich schwimme gerne mit Neo und meine Anzug ist auch sehr bequem und schnell. Wenn es wirklich kalt ist und bevor ich friere, ziehe ich schon gerne meinen Neoprenanzug an. Das ist dann auch absolut gerechtfertig und kein Thema. Ab 22° C wird’s dann aber schon langsam unangenehm warm in so einer Gummihaut. Eigentlich sollte jeder nur in Badehose schwimmen. Wer das nicht schafft, der hat doch einfach nichts bei einem Triathlon verloren. Wie sagt Faris Al-Sultan, der Ironman Weltmeister 2005 auf Hawai‘i: „Beim Radfahren gibt’s ja auch keine Stützräder, nur weil die Strecke zu kurvig ist.“
Wassergefühle
Der Karlsfelder See hat etwas, das unterscheidet ihn von anderen Gewässern. Was das genau ist, habe ich bisher noch nicht herausgefunden. Aber eines ist klar, wie der See selbst auch, das Wasser fasst sich anders an und ist unglaublich schnell. Man hat darin ein derart geschmeidiges Wassergefühl, dass man am liebsten noch eine Runde schwimmen möchte. An diesem Tag wäre das auch das Vernünftigste gewesen.
Alles fliesst
Während der Wettkampfbesprechung wurde bereits deutlich darauf hingewiesen, unbedingt genügend zu trinken, denn es sollte heiss werden. Nach dem Schwimmen, das ich zum vierten Mal in Folge als Schnellster und Erster verliess, stieg ich nach dem Wechsel zeitgleich mit Maximilian Krumm aufs Rad. Doch in diesem Jahr sollte es anders als in den Vergangenen werden. Max ist mir auf der gesamten Radstrecke nur unwesentlich voraus gefahren, doch von hinten kam diesmal fast nichts vorbei. So wechselten wir nach 47 km und einem 39er Schnitt in gleicher Reihenfolge, als Fünfter und Sechster, zum Laufen. Von da an wars dann aber Schluss mit der Zweisamkeit und nachdem es nun mehr weder Wasser- noch Windkühlung gab, wurde die Hitze deutlich spürbar und er Schweiss begann zu fliessen. Der Körper war nun mehr mit der Wärmeregulierung als mit den Beinen beschäftigt.
Doch auch dafür hat der Veranstalter vorgesorgt und zwei Wasserbrausen und ausreichend Getränke auf der Laufstrecke platziert. Hier könnte sich ein Sponsor hochwertiger Wassersysteme unterstützend einbringen, dem Klimawandel sei dank. So lief nicht nur der Schweiss, auch die Beine taten dies am heutigen Tag sehr zu meiner Zufriedenheit.
Nach zwei Runden ging es dann endlich ins modernisierte Karlsfelder Stadion auf die Zielgerade. Nur zwei weitere Triathleten musste ich auf den 10 km vorbeiziehen lassen und finishte den Karlsfelder Triathlon mit einem
be-acht-lichen Platz gesamt und einem Dritten in der Altersklasse.
Vorfreude
Kaum ist die Erschöpfung vorüber, freue ich mich schon wieder auf das nächste Jahr und die herrlichen Wassergefühle im Karlsfelder See. Vielleicht lässt sich der Veranstalter dann auch was für den schnellsten Schwimmer einfallen, wenn ich es schaffen sollte, wiederum als Erster und dann zum fünften Mal in Folge aus dem Wasser zu kommen. Bis dahin fliesst dann aber noch viel Wasser die Isar herunter.